GELD und SPIRITUALITÄT

ich möchte an dieser Stelle einen 8-Seitigen Text weiter verbreiten,
den ich leider selbst nur als .pdf zugeschickt bekommen habe,
der mir aber geholfen hat, im Bezug auf so einiges meine Augen zu öffnen..
Und ich hab den auch erst letzte Woche bekommen!

Wie 4000 € eine Gruppe von Menschen an ihre Grenzen brachten: Die finanzielle und die
spirituelle Sphäre sind unmittelbar miteinander verbunden. Ein erstaunliches Experiment mit
einer Gruppe von Menschen zeigte, wie tief das Geld mit dem Selbstwert des Menschen
verbunden ist. Um unsere Beziehung zum Geld zu heilen, müssen wir es in den hellen Spiegel
bringen, in dem es der Ausdruck unserer Wertschätzung und Liebe ist.
Von Ronald Engert, dem Chefredakteur von Tattva Viveka

Vor einigen Jahren, im Mai 2010, nahm ich an einem fünftägigen Seminar teil, bei dem es um die spirituelle Bedeutung von Geld ging. Eine Übung, die wir machten, bestand darin, dass die Seminarleiter eine Glasschüssel mit Geld vorne hinstellten. In dieser Schüssel befanden sich 4000 € in zerknitterten Scheinen. Dadurch, dass die Scheine zerknittert waren, füllten sie die ganze Schüssel. Es sah aus wie ein Salat aus Geld. Das Geld verschenkten sie.

Die Übung bestand darin, dass man freiwillig vortreten konnte, um Geld aus der Schüssel zu
nehmen. Die einzige Bedingung war, dass man offen sagte, wie viel und wofür man das Geld haben
möchte. Außerdem hatten die beiden Seminarleiter sowie alle Anwesenden das Recht zu sagen, ob
das okay sei. Es zeigte sich im Laufe der Übung – die insgesamt drei Stunden dauerte! – dass die
Seminarteilnehmer, ca. 70 Menschen, emotional und energetisch voll in ihre Prozesse kamen und
jeder sofort spüren konnte, welche Motive hinter dem Geldwunsch steckten und ob dieser Betrag,
den die jeweilige Person nehmen wollte, stimmte.

Es war erschütternd festzustellen, wie viel Schmerz und Scham mit diesem Thema verbunden sind
und wie tief das Thema Geld in die eigene Bedeutung als Seele, als Person und als Mensch
hineinragt. Es ist unmittelbar verbunden. Die Menschen standen teilweise vorne und zitterten,
weinten oder brachen zusammen, wenn sie sich mit ihrem Wunsch zeigen mussten. Der Wert des
Geldes war unmittelbar mit ihrem Selbstwert verknüpft. Das Geld wurde tatsächlich verschenkt. Es
war kein Spiel und keine Simulation. Dadurch nahm die Übung einen sehr existenziellen und
ernsten Charakter an. Hier kamen alle Schatten hoch, die die Menschen hatten, aber auch ihre reine
Freude, wenn sie das Geld bekamen und sich nun einen besonderen Wunsch, wie z.B. ein Kleid
oder eine Reise erfüllen konnten.

In der Schüssel war ein 500-€-Schein, mehrere Hunderter, ansonsten Fünfziger, Zwanziger und
Zehner. Je kleiner der Schein, umso mehr Scheine waren darin. Viele wollten so ca. 20-30 € haben.
Sie sagten, sie wollten sich einen kleinen Wunsch erfüllen, oder für ihre Kinder etwas kaufen oder
Ähnliches. Ein Mann wollte 100 €. Er war der Egoist in der Gruppe. Er ging nach vorne, brachte
seine Erklärung vor, die ziemlich selbstherrlich war, und nahm sich Geld aus der Schüssel. Niemand
der Anwesenden klatschte oder fühlte Zustimmung. Es herrschte ein betretenes Schweigen im
Raum, als er sich das Geld nahm. Die Seminarleiter, die in der Regel ihr Feedback gaben, sagten
nichts. Am Ende der Übung, zwei Stunden später, trat dieser Teilnehmer jedoch vor und sagte, dass
er sich sehr schlecht fühle und das Geld zurückgeben möchte. Er hatte seine egoistische Haltung
erkannt und erklärte, dass er es getan habe, weil er seinem Sohn gegenüber den starken Mann
markieren wollte. Er fühlte aber jetzt, dass es nicht stimmig war. Nachdem er Zeuge der anderen
Prozesse geworden war, bei denen die Menschen um ihren ehrlichen Wert gerungen hatten, ging es
ihm so schlecht, dass er es nicht mehr aushalten konnte. Er musste das Geld zurückgeben – das war
ihm ein dringendes Bedürfnis und er entschuldigte sich vor der versammelten Gruppe.
Der 500-€-Schein lag sehr, sehr lange in der Schüssel und niemand traute sich, ihn zu nehmen.
Irgendwann trat eine Frau vor. Sie erklärte, dass sie als Kind nie Taschengeld bekommen hatte, aber von ihrem Vater für kleine Arbeiten bezahlt wurde und er ihr die Groschen in einer mahnenden Weise vorgezählt hatte, was sie sehr beschämte und erniedrigte. Sie wollte Geld nehmen, einfach um mal etwas zu bekommen, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Der Seminarleiter fragte sie, wie viel sie denn nehmen wolle. Es wurde deutlich, dass es hier um ihren Selbstwert ging, der in ihrer Kindheit schon verletzt worden war. Sie war sehr unsicher und hatte Tränen in den Augen. Sie zögerte und traute sich nicht an die Schüssel zu treten. Der Seminarleiter musste sie mehrfach auffordern, aber sie konnte keinen Betrag nennen. Schließlich musste sie sich direkt vor die Schüssel stellen und nahm schließlich einen 20-€-Schein. Alle im Raum waren sehr betroffen.
Waren es 20 €, die sie sich wert war? Hatte sie so viel Angst und Scham, sich mehr zu nehmen,
wenigstens 50 € oder vielleicht 70 €? Sie zitterte und weinte. Der Seminarleiter trat zu ihr, nahm sie
in die Arme, griff in die Schüssel und gab ihr den 500-€-Schein. Da brach sie zusammen. In dieser
Geste verdichtete sich das ganze Leiden ihres Lebens, die Erniedrigung als kleines Kind und ihr
Leben als Frau, die nie die Chance hatte, Selbstwert zu entwickeln. Es war wirklich bestürzend,
welche Kraft das Geld hatte und wie stark es in den Selbstwert eingriff.
Es gab viele dieser erschütternden Begebenheiten. Es wurde klar, dass jeder mit diesem Vortreten
und Nehmen des Geldes seinen eigenen persönlichen Wert erklären musste und direkt an seinen
Schatten kam. Er musste für seine Vision, seine Werte und seine Bedürfnisse geradestehen, und alle
diese Gefühle von Scham, Angst und Schmerz kamen hoch. Mir wurde klar, wie unmittelbar Geld
mit unserem Selbstwert verbunden ist. Es war unmittelbar fühlbar und existentiell, obwohl es hier
nicht einmal darum ging, das eigene Geld herzugeben, sondern darum, geschenktes Geld zu
nehmen. Man konnte nicht verlieren, nur gewinnen. Aber es war so real und niemand konnte sich
der existentiellen Berührtheit entziehen. Alle Themen von Selbstwert, Verdienst, Gerechtigkeit,
Ehrlichkeit und Wahrheit traten direkt zu Tage. Niemand konnte dieser blutigen Realität entgehen.

Die Liebe und das Geld
Wir Menschen haben das Geld geschaffen, und ich glaube, es war ursprünglich genau dieser
unmittelbare Ausdruck unseres eigenen Wertes, unseres Vermögens, unseres Verdienstes von dem,
was wir mittels unserer kreativen schöpferischen Kraft, mittels unserer Spiritualität erschaffen
haben. Nur weil das Geld so wirksam ist, wurde es im Laufe der Geschichte so massiv missbraucht
und dazu benutzt, Menschen zu quälen, zu erniedrigen und zu vernichten. Im hellen Spiegel jedoch
ist das Geld tatsächlich ein Ausdruck unserer Wertschätzung und unserer gegenseitigen Liebe. Das
Geld ist jedoch unbewusst oder auch bewusst extrem negativ besetzt, weil es so massiv missbraucht
wurde und im dunklen Spiegel verwendet wurde und wird. Wir können den positiven Ausdruck des
Geldes nicht erkennen, geschweige denn fühlen.

Es wird nicht ausreichen, diese negative Haltung gegenüber Geld zu kultivieren und als Ultima
Ratio, als letzte Schlussfolgerung zu etablieren, indem wir Geld ablehnen, das Geld abschaffen
wollen oder einfach planlos verschenken, als ob es keinen Wert hätte. In der beschriebenen Übung
war deutlich fühlbar, dass es einen stimmigen Betrag gibt, der für den Menschen und sein jeweiliges
Anliegen in dieser Situation der richtige ist. Dies war wirklich ein Abwägen der genauen Anzahl an
Euros. Teilweise spürten wir, wie die Person, die vorne stand, zu wenig nahm. Sie schätzte ihren
Wert zu niedrig ein. Meistens war es so. Bei manchen konnten wir spüren, das stimmt. Und es gab
wirklich nur eine von 70 anwesenden Personen, die sich deutlich über Wert bedient hat, wie oben
beschrieben.

Es ist notwendig, diese Beziehung zum Geld zu heilen und sich den eigenen Schatten diesbezüglich
anzuschauen. Erst wenn das Geld wieder im hellen Spiegel als Ausdruck unserer gegenseitigen
Liebe und Wertschätzung gehandelt wird, können wir von einer Heilung sprechen.

Sprache, Geld, Spirit
Es zeigt sich bei näherer Untersuchung der Kategorien und Begriffe der monetären Sphäre, dass alle Begriffe, die es im Finanzbereich gibt, auch zugleich sehr tiefe emotionale und spirituelle
Kategorien benennen. Zum Beispiel der Begriff des Erlöses. Finanziell ist der Erlös der Gewinn,
den das Geschäft abwirft. In der spirituellen Sphäre ist die Erlösung das höchste Ziel des gläubigen
Menschen. Auch der Begriff der Zuwendung, finanziell die Bezahlung für eine Leistung, ist in der
emotionalen, inneren Welt des Menschen eines der elementaren Grundbedürfnisse überhaupt: die
Liebe und Zuwendung, die wir von anderen Menschen bekommen. Der Begriff Verdienst bzw.
verdienen bezeichnet ein ökonomisches Verhältnis, das im Begriff des Dienens in der spirituellen
Sphäre als Gottesdienst und Diener Gottes die höchste Schlussfolgerung einer spirituellen Identität
darstellt. Es zeigt sich in unserem Gewissen, dass wir etwas, das wir nicht verdient haben, nicht mit
gutem Gewissen nehmen können. Wir werden daran keine Freude haben. Und es scheint so zu sein,
dass alle diese Dinge zu ihrem gerechten Ausgleich drängen. Auch der Begriff der Schuld, im
Finanzbereich die berüchtigten Schulden, ist in der moralischen, ethischen, emotionalen und im
Sinne der letztgültigen Wahrheit auch in der spirituellen Sphäre von unverzichtbarer Bedeutung und nicht reduzierbar. Viele Menschen versuchen, Schuld generell als nicht existent zu deklarieren. Ich denke, dass derartige Manöver der Erkenntnis der Wirklichkeit und dem, was wirkt, keinen guten Dienst erweisen. Zu viel Schmerz, Verletzung und Beschämung wurden durch die Kategorie der Schuld über die Menschen gebracht. Man möchte davon nichts mehr hören. Aber das ist nicht die Lösung.

Gerade weil die Schuld eine dermaßen wirksame Kraft ist, wurde sie missbraucht. Aber
zugleich ist sie in der Wiedergutmachung der Weg zur Erlösung. Das haben natürlich die alten
Religionen erkannt, gerade das Christentum hat zu diesem Bereich tiefe Erkenntnisse. Es ist
vielleicht angemessen, von einer Ökonomie der Ethik zu sprechen. Wir können diese Kräfte nicht
benutzen, ohne den Preis dafür zu zahlen. Alles drängt zum Ausgleich und zur Vergeltung
(›vergelt‘s Gott‹).
Weitere Begriffe sind zum Beispiel der Kredit, von dem lateinischen Wort credere = glauben. Wer
Kredit bekommt, dem wird geglaubt, man vertraut ihm, dass er das Geld auch zurückzahlen kann.
Umgekehrt sprechen wir heute noch davon, in Misskredit zu geraten, also unseren Ruf und unsere
Glaubwürdigkeit zu verlieren. Kredit im spirituellen Sinn müsste also der gute Ruf oder die
Glaubwürdigkeit sein, was noch das englische ›credits‹ belegt, das u.a. Ehre oder Anerkennung
bedeutet. Auch die Copyright-Quellen heißen im Englischen credits, also das Verdienst der
Urheberschaft. Wer einen Kredit aufnimmt, hat einen Gläubiger, in den Religionen ist es der
Gläubige.

Auch das Wort ›reich‹ ist von universaler Bedeutung. Als ›Reichtum‹ ist es in der monetären Sphäre das höchste Ziel. In der Philosophie und Metaphysik ist es als ›erreichen‹ oder ›reichen‹ der
Ausdruck einer Erfüllung, Zielerreichung, Vollkommenheit, als ›Reich Gottes‹ sogar der Name des
absoluten Ortes.

Ein weiterer Begriff ist das Vermögen, das in der finanziellen Sphäre natürlich das Maß des
Reichtums benennt und in der spirituellen Sphäre die Fähigkeit des Menschen bezeichnet. Was
vermögen wir zu tun? Was steht in unserer Macht? Dies sind elementare Kategorien, die den
Selbstwert und die Selbstverwirklichung des Menschen betreffen.
Die beiden Sphären des Geldes und der Spiritualität greifen unmittelbar ineinander. Wahrscheinlich sind sie in der Urzeit auseinander hervorgegangen. Geld als abstrakter Wertindikator und Sprache ist der nach außen manifestierte Ausdruck unserer inneren Werte sowie der realen Kräfteverhältnisse. Wir haben als spirituelle, lebende Wesen Kraft. Diese Kraft kann etwas erschaffen, schöpfen. Sie kann aber auch zerstören.
In der sozialen und kollektiven Wirklichkeit der Vielzahl der Subjekte, also der lebenden, mit
schöpferischer Kraft ausgestatteten Wesen, ist die energetische Ökonomie von Schuld und
Verdienst, von Soll und Haben das objektive Regulativ, um Ausbeutung und Übervorteilung bzw.
Benachteiligung auszugleichen. Es muss am Schluss immer Null herauskommen. Alle Schulden
müssen getilgt sein, jeder Verdienst muss ausgezahlt werden. Wir zählen unser Geld, aber wir
suchen auch nach der Wahrheit, nach dem, was wirklich zählt. In der tiefsten spirituellen
Verquickung von Geld und Seele enthüllt sich die reale Struktur der Wirklichkeit.
Der ideologische Schleier
Durch die Verschleierung dieser Wahrheit in der Ideologie ist dieses Wissen verloren gegangen. Es
wurde verschleiert, um die Macht zu erhalten und den Ausgleich der Schuld, die die Ausbeuter auf
sich geladen haben, zu verhindern. Nach der Ausbeutung haben die Ausbeuter auch noch die
Unwissenheit in die Welt gebracht. Wenn wir heute als Vertreter der emanzipativen Kräfte das Geld
oder die Ökonomie ablehnen, beteiligen wir uns selbst an der Verschleierung und befinden uns in
Unklarheit über die wirkliche Struktur der energetischen Verhältnisse. Es ist durchaus möglich, kein
Geld zu brauchen oder sich dafür nicht zu interessieren. Das ist aber etwas anderes, als das Geld
abzulehnen. Dem Geld zu entsagen, kann genauso psychotisch sein, wie sich an das Geld zu
klammern. Durch die ideologische Verschleierung ist sehr viel Unwissenheit über die Menschen
gekommen. Der Aufbau des Lebens ist nicht mehr verständlich.

Geben und Nehmen
Der innere Zugang zu dieser Sphäre erfolgt über das Gefühl. Es handelt sich hier um ein
gereinigtes, vom Schatten befreites Gefühl unseres wahren Selbst. Der Umgang mit dem Geld
wurde im kollektivrechtlichen, mythischen Zeitalter auf äußere, formale Strukturen ausgelagert. Es
wurden Finanzgesetze, Verträge und Regeln etabliert, um den Geldverkehr zu regulieren. In einer
befreiten Herangehensweise an das Geld müssen wir uns der tiefen Verquickung von Geld und
Seele sehr bewusst sein und ein Gefühl dafür entwickeln, was ein gerechter Austausch ist. Das
Kriterium ist: Es fühlt sich stimmig an, es stimmt. In der Finanzwelt ist es die Rechnung, die
stimmt. In der spirituellen Sphäre ist es die Wahrheit, die stimmt und ein Gefühl der Stimmigkeit
vermittelt. Dann sind auch die Saiten richtig gestimmt und das Instrument klingt im richtigen Ton.
Die Sphäre des Handels und seiner Sprache des Geldes betrifft die energetische Spannung zwischen
Geben und Nehmen. Beides, Geben und Nehmen, hat seine Berechtigung und beides gibt es im
hellen und im dunklen Spiegel. Und von beiden gibt es jeweils einen aktiven und einen passiven
Modus. Sehr angesehen in unserer heutigen Gesellschaft sind das aktive Geben und das passive
Nehmen. Sie sind im hellen Spiegel. Im dunklen Spiegel befinden sich das passive Geben und das
aktive Nehmen. Wie sich in der obigen Übung gezeigt hat, fiel es den meisten Menschen sehr
schwer, das Geld zu nehmen, weil sie dann an ihren Minderwert kamen. Sie hatten es nicht
verdient, glaubten sie. Dieses Nehmen dessen, was ich verdient habe oder wozu ich berechtigt bin,
ist aktives Nehmen. Passives Nehmen ist dieses Hinnehmen, Sich-fügen. Aktives Geben ist Gutes
tun, Spenden oder Leistungen geben. Auch Befehle geben oder Ratschläge geben gehören zum
aktiven Geben. Passives Geben ist die Hingabe, das Aufgeben des falschen Egos, also das Abgeben
dessen, was nicht meins ist.
Um in diesem Gefühl sicher zu werden, müssen wir unsere dunklen Anteile ins Licht bringen. Um
fühlen zu können, was der stimmige Tausch ist, brauchen wir auch die Fähigkeit des aktiven
Nehmens, also eine aus einem gesunden Selbstwert und aus Selbstliebe hervorgehende Fähigkeit,
das, was mir zusteht, auch zur Sprache zu bringen und dann nehmen zu können, wenn die anderen
einverstanden sind. Wir brauchen außerdem ein Gefühl, das vom Egoismus gereinigt ist, das also
eine verwirklichte Form der Hingabe und Selbstlosigkeit darstellt, eine Fähigkeit sich hinzugeben,
sich zu geben.
Alle diese Kategorien wurden durch die Ideologien der Herrschenden verdreht und auf den Kopf
gestellt. Im klaren ideologiefreien Blick ordnen sich die alten ewigen Kategorien neu in ihrer
wirklichen Konstellation. Nichts geht verloren, es wird nur umgedreht und in die ewige Ordnung
der Wahrheit gebracht. Dies ist die Aufgabe einer ideologiefreien spirituellen Wissenschaft, die die
getrennten Sphären wieder in Verbindung bringt und die Einheit des Menschen als leibseelische
Entität wieder herstellt. Wir erhalten wieder das GANZE BILD.
Was hat eine Million Euro mit Spiritualität zu tun?
Einige Monate später, im September 2010, war ich auf einem Kongress in der Nähe von Stuttgart,
bei dem es um Internet-Marketing ging. An demselben Wochenende war noch eine Tagung in
Frankfurt, bei der das Thema die Seele war. Dennoch entschied ich mich für den Marketing-
Kongress.
Dort gab es Vorträge von insgesamt acht verschiedenen Experten im Internet-Marketing, von denen
jeder Millionär war. Es ging darum, wie sie das geschafft haben und wie wir, die Teilnehmer, dies
auch erreichen können. Die schwerreichen Experten kamen aus den USA, England, Singapur und
Australien. Was sie uns zu sagen hatten, war neu in Deutschland. Es war eines der ersten Seminare
zu diesem Thema hier und es wurde deutlich, dass das, was in Nordamerika oder Australien schon
läuft, bei uns in Deutschland erst langsam ankommt.
Social Media, Web 2.0, Internet-Marketing waren Begriffe, die damals hierzulande erst seit einigen
Monaten so richtig ins Gespräch gekommen waren. Diese Experten vertraten die Ansicht, dass wir
es mit dem Beginn einer neuen Ära zu tun haben, in der die Wirtschaft und die Gesellschaft durch
völlig neue Verkehrsformen bestimmt sein werden.
Was ist daran spirituell?
Um dies zu erklären, möchte ich den Bogen zu einem meiner ersten spirituellen Workshops schlagen, den ich 1990 besuchte. Der Cherokee-Schamane Harley Swift Deer stellte uns den »Sternmädchenkreis« vor, ein Medizinrad, das das indianische Wissen trägt. Gemäß derverschiedenen Energien, die in den Himmelsrichtungen auf dem Rad angeordnet sind, befinden sich im Norden, wo das Denken platziert ist, die Intellektuellen,Philosophen, Denker usw. Im Osten, wo der Spirit plaziert ist, lokalisieren die Schamanen merkwürdigerweise nicht die Esoteriker oder Spirituellen, sondern die Unternehmer…
Ich wunderte mich darüber sehr, sind doch Unternehmer Materialisten und alles andere als
spirituell. Die Begründung der Schamanen ist jedoch, dass Spirit bedeutet, die Dinge, die wir
anstreben, wirklich ins Leben gebracht zu haben. Wir streben nach Glück, Freude, Gesundheit,
Erfolg und Erleuchtung. Spirituell ist nicht, wer von Erleuchtung redet, sondern wer erleuchtet ist.
Spirituell ist nicht, wer von Heilung redet, sondern wer geheilt ist.
Spirituelles Leben bedeutet Handeln. Auf dem Nord-Platz, dem Platz der Philosophien und
Glaubenssysteme, der Ideen, der mentalen Energie, wird geredet und gefachsimpelt. Da werden
Theorien ausgetauscht und Pläne geschmiedet.
Auf dem spirituellen Platz im Osten jedoch wird gehandelt. Spiritualität ist Schöpfung, Kraft,
Produkt. Handlung bedeutet auch Erfolg. Die Schamanen sagen, es gibt zur Zeit auf dem Planeten
keine Gruppe von Spirituellen, die erfolgreich sind, die ihre Pläne oder Ideen in die Tat umgesetzt
haben oder überhaupt nur daran denken sie umzusetzen. (Wenn es sie gäbe, wären sie die Führer
des Volkes.) Deshalb sind nur die Wirtschaftsleute, die erfolgreichen Unternehmer, auf diesem
Platz. Sie haben gehandelt. Sie sind erfolgreich. Man kann diese Sichtweise auch kritisch sehen. Im
politischen Kontext sollte es eine Unterscheidung zwischen Unternehmern – die ihrer Aufgabe
ehrenhaft nachkommen – und Kapitalisten – die ihre Position egoistisch ausbeuten – geben. Die
schamanische Sicht, die die Wirklichkeit energetisch und ideologisch neutral betrachtet, geht davon
aus, dass wir es mit Unternehmern zu tun haben. Es geht ihr darum, wer sich selbst verwirklicht,
wer also aus dem bloßen Wunschtraum in die Realität tritt. Hier stehen Spirituelle und Unternehmer wertfrei nebeneinander und nur die Unternehmer haben Erfolge vorzuweisen. Im Übrigen ist auch die Kategorie des Erfolges bei den systemkritischen Kräften allzu negativ besetzt, obwohl auch diese Kategorie zu den ewigen Koordinaten gehört.
In diesem Sinne sitzen also auch diese Internet-Experten im Osten, auf dem Platz des Spirit. Sie
leben bereits ihr Leben in ihrem höchsten Potential, wenn auch möglicherweise erst mal nur in der
weltlichen Sphäre.
Spiritualität bedeutet, dass ich mein Leben in die Hand nehme, in die Handlung gehe. Es bedeutet,
dass ich Verantwortung für mein Leben übernehme, erwachsen werde und mich verwirkliche.
Gehört dazu Geld?
Geld ist eines der schwierigsten Themen für einen Menschen, der ethisch korrekt leben möchte und
ein spirituelles Leben anstrebt. Geld wurde in den traditionellen spirituellen Kulturen eigentlich
durchweg diskreditiert. Es wurde als unspirituell, verwerflich, egoistisch und Schlimmeres
bezeichnet. Aber dieses eben benutzte Wort »diskreditiert« weist schon auf die Tiefe des
Sachverhalts hin. »Kredit« ist Glaubwürdigkeit. »Kredit« ist Anerkennung. »Kredit« ist ein Geld-
Darlehen. Wie hängen diese Begriffe zusammen? Wie kann man jemanden »diskreditieren«, ihn
also schlecht machen, ihm seinen Wert absprechen?
Die Diskreditierung des Geldes
Viele Spirituelle verschmähen mit großer Geste das Geld. Sie dünken sich darüber stehend, oder sie
verbieten es sich. Geld gilt als schmutzig. Ein Heiliger hat mit Geld nichts zu tun. Auch ich lebte
lange in dieser Einstellung: »Mit Geld gebe ich mich nicht ab. Das hat nichts mit Spiritualität zu
tun.« Nun ja, ich erlebte als Kind sehr wohl diese dunkle Seite des Geldes, die Zeit, in der meine
Eltern lieber schufteten, um ein großes Haus zu bauen und zu bezahlen, als Zeit mit uns Kindern zu
verbringen. Damals habe ich mir geschworen, ich würde niemals dem Geld hinterherrennen. Meine
negative Einstellung dem Geld gegenüber beruhte also auf emotionalen Traumata. Wir »denken« in
der Regel, dass unsere Überzeugungen auf Vernunft beruhen, und argumentieren entsprechend. Auf diese Weise können wir aber weder andere noch uns selbst von einer anderen Sicht auf die Dinge überzeugen. Nur über eine emotionale Heilung können wir unser Denken ändern.
Heute habe ich in meiner emotionalen Heilung viel erreicht und gehe mit dem Thema erwachsener
um. Spirituelle Entwicklung bedeutet für mich, mich selbst annehmen und lieben zu können. Ich
bin, ich brauche und ich bin berechtigt. Ich bin berechtigt, Geld zu verdienen, um gut zu leben. Ich
bin es wert. Geld ist ein Energiespeichermedium, in dem Lebenskraft, Energie, Leben und sogar
Liebe gespeichert sind. Es ist zunächst ein neutrales Medium, und es kommt auf den einzelnen
Menschen an, was er daraus macht.
Geld ist eine starke Energie, und nur starke Energien werden missbraucht, denn sie wirken.
Wirkungslose Dinge interessieren niemanden. Aber die wirkungsvollen und wertvollen Dinge
werden auch Opfer der Begierde und des Missbrauchs. Diese Dinge selbst deswegen in Abrede zu
stellen verdreht die Tatsachen und arbeitet den Missbrauchern in die Hände, indem diese wertvollen
Dinge herabgesetzt und aufgegeben werden, anstatt sie zu beschützen und zu verteidigen.
Der erste Sieg der bösen Kräfte ist der, dass sie sich des Geldes bemächtigten. Aber es ist ein
zweiter Sieg der bösen Kräfte, dass die guten Kräfte das Geld diskreditieren. Denn Geld ist Kraft
und so rauben sich die guten Kräfte in ihrer Dummheit selbst ihre Kraft.
Davon abgesehen ist Geld Handlung. Geld ist nicht leeres Geschwätz. Geld ist reale Kraft. Ein
spiritueller Mensch ist jemand, der in die Handlung geht, der sein Leben in die Hand nimmt. Auf
dem Internet-Kongress konnte man hautnah erleben, was es bedeutet, in der Handlung zu sein.
Diese Menschen waren direkt, schnell, wirkungsvoll, klar. Sie strahlten regelrecht. Und sie hatten
ein gesundes Selbstbewusstsein.
Die Erlaubnis
Es ist gar nicht so leicht, sich diesen Reichtum zu erlauben. Das geht nur, wenn man sich selbst
achtet. Bei vielen Menschen ist die Armut ein regelrechter Selbstbestrafungsmodus. Es ist eine
Opferrolle.
Geld zu verdienen, bedeutet, aus der Opferrolle herauszutreten. Das ist gar nicht so einfach, denn
dann muss ich die Verantwortung für mein Leben und vor allem für meine Fehler übernehmen. Ich
kann die Schuld niemand anderem mehr geben. »Schuld« ist ein magischer Begriff, der sowohl in
der Psyche als auch im Geld Bedeutung hat. Ebenso wie »Zuwendung« eine geradezu
schockierende Doppelbedeutung als einmal liebevolle Kontaktaufnahme und zum anderen
finanzielle Vergütung hat.
Habe ich das Geld verdient?
Die Verunglimpfung des Geldes erscheint so als die Verunglimpfung meiner selbst, oder als
Rationalisierung und Ablenkung von meinem Minderwert. Die Diskreditierung des Geldes dient
somit als Medikamentierung, um den Schmerz meiner eigenen Wertlosigkeit nicht zu spüren.
Echte Spiritualität ist selbstverantwortliches, verwirklichtes Leben. Zahme Vögel singen von
Freiheit, die wilden fliegen. Dies greift geradezu holografisch und fraktal in alle Lebensaspekte
hinein. Geld hier auszuklammern ist keine Lappalie. Es ist vielmehr symptomatisch und geht in den
Kern unseres Wesens hinein.
Wirklich positiv spirituell zu sein bedeutet, in vollständiger Erkenntnis und Annahme seiner selbst
in einem gesunden und erfüllten Leben zu stehen. Geld und Reichtum kann damit geradezu ein
Symptom spiritueller Entwicklung sein.
Das ist jedoch fundamental anders zu verstehen als der alte Materialismus, in dem das Geld das
Objekt der Gier und der Macht war. Es ist auch heute noch Macht, aber die Macht der
Selbstermächtigung. Viele dieser Kategorien – wie auch gerade die Macht – wurden in Misskredit
gebracht.
Es geht heute darum, diese Kategorien, wie Geld und Macht, für das Leben wieder zu erobern, sie
wieder zurückzuführen in die gesunde, heilige Ordnung. Die heilige Ordnung ist nicht das
Gegenteil der unheiligen. Die heilige Ordnung ist die natürliche, göttliche Ordnung. Sie integriert
alles, was ist, in seiner positiven Form. Sie ist die positive Generallinie, in der alles gerettet eingeht.
In diesem Sinne war es mir lieber, zum Geld-Kongress als zum Seele-Kongress zu gehen, obwohl
ich es liebe, mich mit allem zu beschäftigen, was mit der Seele zu tun hat, und sie verwirklichen
will. Ich kam dem näher durch diese Anerkennung des realen Tuns im praktischen Lebensvollzug,
durch die Anerkennung meiner eigenen Situation und Notwendigkeit, aber auch meiner Lust und
meiner Bedürfnisse. Ich glaube und spüre heute, dass ich mit dieser realen und konkreten Handlung
meiner Seele näher komme als mit philosophischem Reden über die Seele, denn es geht um
den Live-Stream, um das wirkliche Leben.
Freiheit und Selbstverantwortung
Auf dem oben erwähnten Schamanenseminar machte der Schamane, Harley Swift Deer, noch eine
andere überraschende Aussage: »Wenn ihr mit der Ungerechtigkeit in der Welt fertig werden wollt,
gründet ein Geschäft.« Dieser Satz irritierte mich sehr. Er ließ mich nicht mehr los und führte vier
Jahre später dazu, dass ich mein eigenes Geschäft, sprich die Tattva Viveka, gründete.
Wie ist das zu verstehen? Ich war immer auf der Seite der Arbeiter, ein Robin Hood, der für die
Armen kämpfte. Ich war Kommunist und Antiimperialist, ich sympathisierte mit der Roten Armee
Fraktion. Ich war im Klassenkampf gegen die Kapitalisten. Doch diese Aussage ging mir nicht mehr
aus dem Kopf und ich spürte sehr deutlich, dass dahinter eine Wahrheit verborgen liegt. Ich wollte
wissen, was es mit der Ungerechtigkeit in der Welt auf sich hat und wie man sie beenden kann.
Musste ich dafür Unternehmer, also Kapitalist werden? Damals setzte ich das gleich, aber ich
wusste auch, ich würde das anders als der übliche Kapitalismus machen, in dem es nur darum geht,
stur seinen Erfolg durchzusetzen und andere auszubeuten. Ich wollte ein ehrlicher Unternehmer
sein. Mein eigenes Unternehmertum zwang mich bewusst und unbewusst, mich meinen eigenen
Charakterfehlern zu stellen. In meiner eigenen Rolle als Unternehmer musste ich lernen, dass
niemand sich um mich kümmert oder für mich die Verantwortung übernimmt. Ich muss selbst
entscheiden, was ich als Nächstes tue, und das Risiko tragen. Niemand ist da, der mich absichert.
Jede meiner Entscheidungen wird damit existenziell und es ist für mich spürbar, dass ich alleine und selbst für mich stehe, dass ich selbst-ständig bin – nicht nur materiell, sondern auch psychisch und spirituell. Dies ist ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Verpflichtung, aber auch an Wahrheit und Freiheit. Es ist die Situation des Menschen, der erwachsen ist. Ich kann niemanden dafür verantwortlich machen, sich um mich zu kümmern. Wenn ich das weiß, bekomme ich eine andere Sicht auf Ungerechtigkeit. Ich erkenne dann, was meine Verantwortung ist und was nicht.

Um die Ungerechtigkeit in der Welt zu begreifen, bedarf es einer realistischen Einschätzung der
Wirklichkeit, die von ideologischen Überbauten gereinigt ist. Durch mein eigenes Geschäft lernte
ich, was real ist. Der Schlüssel ist die Verantwortung. Dadurch, dass ich ein Geschäft führte, lernte
ich, was es bedeutet, mich selbst zu erhalten.

Es gibt ein spirituelles Prinzip, das Selbsterhalt heißt. Viele Menschen haben eine
»Nehmermentalität«. Sie glauben, dass jemand verpflichtet ist, sie zu versorgen, seien es die Eltern,sei es der Staat oder sei es der Unternehmer. Dadurch verlieren sie ihre Freiheit. »Indem wir uns selbst finanzieren, erwerben wir das Recht unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Dann hat
niemand das Recht, uns vorzuschreiben, wo wir wohnen sollen, denn wir zahlen unsere Miete
selbst. Wir können essen und anziehen, was wir wollen, oder fahren, wohin wir wollen, denn wir
sorgen selbst dafür. Es gibt keine Grenzen für die Freiheit, die ich durch Selbsterhalt erlangen kann.
Ich werde persönliche Verantwortung übernehmen und mich heute selbst finanzieren.«
Der tiefste Zusammenhang zwischen Geld und Spirit zeigt sich in der Verbundenheit von
materieller und spiritueller Sphäre. Im tiefsten Grunde der Wirklichkeit ist Materie und Spirit eine
Sphäre, die integrale, allseitige Aktualität des Seins.

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